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Perspektiven

Beziehungen

Von Msgr. Robert L. Stern

„What are little boys made of?“ heißt es in einem Kinderreim, „Frogs and snails, and puppy-dogs’ tails“ („Woraus sind kleine Jungen gemacht? Aus Fröschen und Schnecken und kleinen Hunde-Schwänzchen.“) Auf die Frage: „What are little girls made of?“ hingegen kommt die Antwort: „Sugar and spice, and all that’s nice.“ „Woraus sind kleine Mädchen gemacht? Aus Zucker und Gewürz und allem, was hübsch ist.“)

Woraus ist es gemacht? Wie funktioniert es? Solche Fragen werden von jedem gestellt, von kleinen Kindern bis hin zu Forschern.

Nur die Kenntnis der Bestandteile einer Sache erklärt allerdings noch nicht, was sie ist, was sie tut oder wie sie entstanden ist.

Für einen Kuchen braucht man mehr als Mehl, Eier, Hefe und Zucker; man muss wissen, wie viel man von jeder Zutat verwenden muss, wie sie aufeinander wirken und wie sie für den Backvorgang zusammengefügt werden müssen. Der fertige Kuchen ist viel mehr als seine Zutaten.

Detailkenntnis über Arme und Beine, Kopf und Rumpf, Finger und Zehen und ihre Zusammenhänge erklärt noch nicht die menschliche Person. Das Studium von Chromosomen, Genen und der DNA als seinen Bestandteilen kann das Wachstum und die Entwicklung eines Lebewesens nicht hinlänglich erklären.

Physiker sind auf einer nie enden wollenden Suche nach den Bestandteilen der Materie, bei der sie ständig weitere winzige subatomare Teilchen entdecken. Trotzdem bieten vertiefte Kenntnisse über die Beschaffenheit und das Verhalten einzelner Partikel noch keine hinlängliche Erklärung für die Eigenschaften eines Atoms, geschweige denn eines seiner Bestandteile.

Das Ganze ist immer mehr als seine Teile. Das wissen wir zwar intuitiv, können aber kaum genau erklären, in welchem Sinne es mehr ist. Zumindest hat es etwas mit dem Anordnungsmuster der Teile zu tun, mit dem, was sie zusammenhält, und ihrer dynamischen Wechselwirkung.

Die beste Erklärung, die die Physik gibt (da sie sich in erster Linie mit dem Fassbaren und Messbaren beschäftigt), ist das Konzept der Kraft. Physiker studieren große und kleine Kräfte, starke und schwache Kräfte, wie sie sich auf Materie auswirken, wie sie diese zusammenhalten, oder wie sie diese auseinandersprengen.

Philosophen und religiöse Denker bieten ebenfalls eine Erklärung an, bedienen sich aber einer anderen Ausdrucksweise. Sie verwenden das Wort „Beziehungen“.

Alles und jeder kann nach seinen Beziehungen mit allem und jedem anderen beschrieben werden. Beziehungen sind eine immaterielle, entscheidende „Zutat“ zu allen Dingen, von den subatomaren Teilchen bis hin zur menschlichen Gesellschaft.

Der Gedanke der Beziehungen schließt das Konzept der Kraft nicht aus, geht aber darüber hinaus. Auch die Schwerkraft, die Kräfte der Elektrizität und des Magnetismus gehören zu den Beziehungen, ebenso wie die Kräfte der Sitten, der Bräuche und der Freundschaft.



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Tags: Christian-Muslim relations Jewish-Catholic relations Media