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Haus des Segens

Schwestern strecken ihre Hände aus, um Menschen zu helfen, die sich selbst nicht helfen können

Von Christian Molidor, R.S.M. und Jomi Thomas

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Am 6. Dezember 1992 fiel eine etwa 200.000 Mann starke, aufgebrachte Menschenmenge von Hindu-Extremisten über die Babri-Moschee in der nordindischen Stadt Ayodhya her und riss diese innerhalb von Minuten nieder. In den darauffolgenden Monaten breitete sich sektiererische Gewalt über das ganze Land aus, insbesondere in den Slums von Mumbai (Bombay). Bis zum Abflauen der Unruhen waren mehr als 2000 Menschen getötet worden.

Als der Aufruhr sich auch in Mumbai bemerkbar machte, brachten Amtsträger der syro-malabarischen katholischen Kirche im Südstaat Kerala ihre Sorge um die Sicherheit ihrer Ordensschwestern, die dort leben, zum Ausdruck; Christen waren schon in der Vergangenheit ins Kreuzfeuer geraten. Mit dieser Tatsache vor Augen, sandten kirchliche Amtsträger eine Rettungsmannschaft in den größten Slum der Stadt, Dharavi, wo eine kleine Gemeinschaft von Nirmala-Dasi-Schwestern seit 1989 lebt.

Ihre Befürchtungen erwiesen sich jedoch als unbegründet. Bewohner des Slums, Hindus und Muslime gleichermaßen, hatten sich vor dem Konvent aufgestellt, um die Schwestern zu beschützen. Dies stellte ein klares Zeugnis für die Arbeit der Schwestern für ältere, behinderte und kranke Menschen dar. Ohne Rücksicht auf Kaste oder Glaubensbekenntnis, dienten die Schwestern jenen, die in allergrößter Not waren, und ihre Krieg führenden Nachbarn kamen zusammen, um sie zu beschützen. Die Schwestern schickten die Rettungsmannschaft wieder zurück. Sogar inmitten des schlimmsten Aufruhrs in Mumbai fühlten sie sich sicher.

Die Gesellschaft der Nirmala Dasi (Dienerinnen Gottes) wurde im Jahre 1971 von Mar Joseph Kundukulam, dem verstorbenen syro-malabarischen katholischen Erzbischof von Trichur (einer Stadt in Zentralkerala), und Msgr. Joseph Vilangadan, der bis heute der Gemeinschaft als ihr geistlicher Leiter vorsteht, gegründet.

Als er noch als Gemeindepriester tätig war, warb Mar Joseph um Freiwillige unter seinen Gemeindemitgliedern. Sie sollten sich um die Frauen und Kinder kümmern, die im Sankt-Christina-Heim lebten, einem Wohnheim, das er im Jahre 1967 für unverheiratete Mütter und ihre Kinder gegründet hatte. Ein paar Jahre später, als er bereits zum Bischof von Trichur geweiht worden war, schuf Mar Joseph eine fromme Vereinigung für seine Freiwilligen, die darum gebeten hatten, eine Ordensgemeinschaft bilden zu dürfen. Heute unterhalten die 265 Schwestern der Gesellschaft 38 Häuser, von denen die meisten in Indien angesiedelt sind.

Im Unterschied zu anderen religiösen Ordensgemeinschaften für Frauen in Indien besitzen oder betreiben die Nirmala-Dasi-Schwestern keine Schulen oder Krankenhäuser. Höhere akademische Grade oder andere hohe berufliche Qualifikationen werden nicht als für ihre Berufung als Dienerinnen Gottes notwendig erachtet; allerdings sehen sie es als unerlässlich an, keine Belohnung für ihre Dienste anzunehmen.



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Tags: Children Sisters Syro-Malabar Catholic Church Disabilities